PRINCE2: Leitfaden fรผr Einsteiger

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๐Ÿ‘‰ Die wichtigsten Fakten zusammengefasst:

  • PRINCE2 (Projects IN Controlled Environments) ist eine skalierbare, prozessorientierte Projektmanagementmethode, die sich auf die Trennung von Management und Lieferung des Projekts konzentriert.
  • Die Methode ist in sieben Prinzipien, sieben Themen und sieben Prozesse unterteilt, die den Rahmen fรผr das Projektmanagement bieten und sicherstellen, dass alle Aspekte des Projekts systematisch abgedeckt werden.
  • PRINCE2 ermรถglicht eine klare Zuweisung von Rollen und Verantwortlichkeiten und stellt sicher, dass alle Teammitglieder genau wissen, was von ihnen erwartet wird.
  • Risikomanagement ist ein zentraler Bestandteil von PRINCE2, und die Methode enthรคlt spezifische Prozesse und Vorlagen fรผr die Identifizierung, Bewertung und Steuerung von Projektrisiken.
  • Die Methode ist flexibel und anpassbar, was sie sowohl fรผr kleine als auch fรผr groรŸe Projekte geeignet macht, und sie kann mit anderen Projektmanagement-Tools und -Methoden kombiniert werden.

Die Olympiade 2012 in London ging als nahezu perfekt gemanagte GroรŸveranstaltung in die Geschichte der Olympischen Spiele ein. Bei einem Budget von 9,3 Milliarden Pfund und tausenden Mitarbeitern ging die eigens dafรผr gegrรผndete Organisation rund sieben Jahre vor Beginn der Spiele an die Arbeit. Im Mรคrz 2012, rund vier Monate vor Beginn, kam das offizielle Olympische Komitee bei dem abschlieรŸenden Besuch zum Schluss: โ€žLondon ist bereit, diesen Sommer die Welt zu empfangen.โ€œ Was war das Geheimnis hinter dem Projekterfolg aus London? War der Projektleiter einfach ein Profi? Ein Naturtalent? Sind die Briten von Natur aus bessere Projektmanager als der Rest der Welt? Welche Tricks und Kniffe hatten sie auf Lager? Die Antwort lautet PRINCE2, die weltweit erfolgreichste Best Practice Methodik, geformt aus rund 30 Jahren Projektmanagement-Erfahrung. Die Olympiade wurde tatsรคchlich auf Basis dieser weltweit bekannten Methodik zum Erfolg gemanagt.

Ok. Natรผrlich werden auch die Mitarbeiter die besten Projektmanager des ganzen Vereinigten Kรถnigreichs gewesen sein, dennoch: alleine die Methodik hinter den Individuen kann fรผr den Erfolg oder Misserfolg ganzer Projekte verantwortlich sein. Dieser Leitfaden erklรคrt das Phรคnomen PRINCE2.

Anhand von einfachen Beispielen aus unserem Beispielprojekt โ€“ Olympia โ€“ werden wir die Methodik Schritt fรผr Schritt aufeinander aufbauen. Ende dieses Buches wirst Du in der Lage sein, in PRINCE2-Projekten erfolgreich mitarbeiten zu kรถnnen. Die PRINCE2-Methodik als solche besteht aus einem Vorgehensmodell von 377 Seiten Umfang. Seiten, die als Handbuch absolut notwendig sind, um in gewissen Projektsituationen sich einfach das richtige Toolset zu โ€žziehenโ€œ und nachzulesen. Im Projektalltag eines Projektmanagers absolut notwendig.

Die Grundlagen

Die Geschichte hinter der PRINCE2

PRINCE2 wurde 1989 von der britischen Regierungsabteilung โ€žCentral Computer and Telecommunications Agencyโ€œ als eine Art โ€žWissensmanagement-Projektโ€œ in Auftrag gegeben, um die Erfahrungen der bis dato gemachten Projekterfahrungen zu sammeln, zu bewerten und daraus ein Framework zu entwickeln, welches dabei helfen sollte, bei zukรผnftigen Projekten bereits bekannte Fehler zu vermeiden. Hieraus entstand die erste Best Practice Projektmanagement-Methodik PRINCE; damals noch ohne die Versionsandeutung โ€ž2โ€œ. PRINCE stand und steht fรผr PRojects IN Controlled Enviroments. Zum damaligen Zeitpunkt war das Framework fรผr IT-Projekte entwickelt worden. Es sollte als Regierungsstandard fรผr Projektmanagement gelten. Schon bald jedoch fanden die darin enthaltenen Methoden auch auรŸerhalb von IT-Projekten eine weite Verbreitung.

Aus der Erkenntnis heraus, dass PRINCE auch auf andere Projekte anwendbar ist, wurde die Methodik nochmal stark verschlankt, vereinfacht und schlieรŸlich 1996 als allgemeine Projektmanagement-Methode PRINCE2 verรถffentlicht. Seitdem wurde die PRINCE2-Methodik zunehmend populรคrer. Neben der PMBok (PMI) und ICB (IPMA, GPM) zรคhlt PRINCE2 zu den weltweit am hรคufigsten verwendeten Projektmanagement-Methodiken. In รผber 50 Lรคndern wird PRINCE2 geschult, zertifiziert und angewandt. In GroรŸbritannien gilt PRINCE2 sogar als De-Facto-Projektmanagement- Standard. Hier achten Unternehmen in der Tat darauf, wenn jemand die Rolle des Pro- jektleiters oder Projektmanagers รผbernimmt, dass dieser eine eingetragene PRINCE2-Zertifizierung hรคlt. Die Anforderung nach einem Zertifikat einer anerkannten Projektmanagement-Methodik wie PRINCE2 lรคsst sich immer mehr auch im D-A-CH-Raum verfolgen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Eigenschaft, ein richtig guter Projektmanager zu sein, aufgrund der aktuellen ร„nderungsbereitschaft der Unternehmen gefragter denn je zuvor ist.

Die Allzwecklรถsung des Projektmanagements

Oft fragt man sich in diesem Zusammenhang, wie PRINCE2 eigentlich eine Allzwecklรถsung fรผr diese ganz verschiedenen Projekte bieten kann. Die Antwort darauf ist simpel: PRINCE2 ist so generisch wie nรถtig, jedoch so konkret wie mรถglich, um als 360o- Methodik, also als ganzheitliche Projektmethodik, wahrgenommen zu werden. Das bedeutet zuallererst, dass die Methoden-Guideline an sich so allgemein formuliert ist, dass daraus kein fachlicher Hintergrund eines Projekts herauszulesen ist. PRINCE2 beschreibt nicht, dass Du jeden Tag mit Deinen Entwicklern zusammen die neu programmierte Software-Funktionalitรคt testen sollst.

Vielmehr beschreibt PRINCE2, dass Du als Projektmanager Dich in einem von Dir zu wรคhlenden Turnus mit Deinen Teilprojektleitern austauschen sollst und diese so organisierst, dass sie mit ihren fachlichen Teams die Produkterstellung vorantreiben. Die Methodik gibt die Empfehlungen und Eckpunkte vor, anhand derer Du den Rhythmus fรผr Deine Meetings finden kannst. Du erhรคltst Hinweise, welche Inhalte ein Bericht enthalten soll. Im Grunde genommen geht es darum, aus der Sicht des Projektmanagers Dir zu jedem Zeitpunkt im Projekt die richtigen Werkzeuge an die Hand zu geben, welche Dir dabei helfen sollen, jederzeit die richtigen Entscheidungen treffen zu kรถnnen.

Anpassbar an jede Projektumgebung

Und das so generisch wie mรถglich. Daher ist eines der wichtigsten Grundprinzipien der PRINCE2-Terminologie die sogenannte โ€žAnpassung an die Projektumgebungโ€œ. Ohne vorwegzugreifen ist in diesem Kontext ersichtlich, weshalb dieses Grundprinzip als derart wichtig eingestuft wird. Um diese eben beschriebene generische Anwendbarkeit auf Dauer aufrechtzuhalten, ist PRINCE2 keinesfalls im Jahre 1996 stehen geblieben. Die heutigen Rechteinhaber, AXELOS, bestehend zu 51% aus Capita (privates Unternehmen in GB) und zu 49% aus Cabinet Office (Behรถrde in GB), sind mehr denn je damit beschรคftigt, die Methodik weiterhin dem Geist der Zeit einzuverleiben. Dies geschieht durch die regelmรครŸig stattfindenden Updates.

Das letzte groรŸe Update von PRINCE2 wurde im Jahre 2017 unter dem Namen PRINCE2 V2017 bekannt gegeben. Hierbei wurden innerhalb der Themen von PRINCE2 Anpassungen durchgefรผhrt, sowie einige Wordings und Fokusbereiche verรคndert. Auf Basis dieser neuen Version, welche im Jahre รผber die letzten Monate final geschliffen und ins Deutsche รผbersetzt wurde, haben wir unseren bestehenden Bestseller aktualisiert und angepasst, so dass wir nun im Jahre 2019 eine sehr runde und hochwertige Buchversion von PRINCE2 v2017 zur Verfรผgung stellen kรถnnen.

Charakteristika eines Projekts

Bevor wir uns direkt den ersten Inhalten von PRINCE2 widmen, mรถchten wir an dieser Stelle erst mal mit ganz allgemeinem Projektmanagement-Wissen beginnen. Unser Beispielprojekt, an dem wir uns hier im Buch orientieren werden, sind die Olympi- schen Spiele. Wenn wir nun hergehen und die Olympiade als Projekt sehen und uns dann vorstellen, als Projektmanager vor dem Start dieses riesigen Projekts in einer Linienfunktion tรคtig gewesen zu sein, wird einem die Differenzierung zwischen Projekt- und Linientรคtigkeit leicht von der Hand gehen.

Kommen wir zur Definition eines Projekts zurรผck. Generell gilt: Ein Projekt ist eine fรผr einen befristeten Zeitraum geschaffene Organisation, die mit dem Zweck eingerichtet wird, einen oder mehrere Produkte in รœbereinstimmung mit einem Business Case zu vereinbarter Qualitรคt zu liefern.

projekt

Einzigartig

Vergleicht man ein Projekt mit einer Aufgabe in der der Linie, wird klar, dass es sich hierbei um nichtwiederholende Tรคtigkeiten handelt. In der Linie macht man hingegen โ€“ stark vereinfacht gesagt โ€“ jeden Tag annรคhernd dasselbe. Als Controller vergleicht man Berichte, berรคt mit dem Management, als Risiko-Mana- ger identifiziert man Risiken und bewertet sie, als Sachbearbeiter bearbeitet man Auf- tragseingรคnge.

Im Projekt hingegen erwartet einen tรคglich eine neue Herausforderung. Man entwi- ckelt und entwirft neue Dinge. Es kommen stรคndig neue Aspekte zum Vorschein, die im Vorhinein รผberhaupt nicht klar waren. Die โ€žEinzigartigkeitโ€œ kann man sogar noch weiter fassen: Geht man doch davon aus, dass sogar die Aspekte, die auf den ersten Blick einem anderen รคhneln, vรถllig einzigartig sind. Dieser Gedanke ist hochinteres- sant, kรถnnte ein Kritiker dieser Definition doch behaupten, dass wir 2012 bereits die 30. Olympiade der Neuzeit organisieren (in der Geschichte von Olympia noch deutlich mehr).

Dieser Gedankengang ist dahingehend schnell zu entkrรคften, wenn man sich die fรผr die Olympiade 2012 vorhandenen Gegebenheiten anschaut. Neues Jahrzehnt, anderer Kontinent als die letzte Olympiade (China), damit andere Mentalitรคt bei den Mitarbeitern, das Land ist von den finanziellen Mitteln anders aufgestellt etc. So รผbri- gens unterscheiden sich Projekte innerhalb eines Unternehmens auch. Die Abteilun- gen stellen unterschiedliche Mitarbeiter, haben unterschiedliche Budgets, immer ein unterschiedliches Kernziel etc.

Begrenzt

Geht man von einer Linienorganisation aus, ist hierbei grundsรคtzlich kein zeitlicher Horizont angedacht. Die Abteilung geht in dem Moment des Existierens da- von aus, dies auf unbestimmte Zeit zu tun. Vergleicht man diese Einstellung mit einer Projektorganisation, fรคllt auf, dass hierbei sehr unterschiedliche Ausprรคgungen vor- handen sind.

Ein Projekt ist von Natur aus begrenzt. In erster Linie natรผrlich zeitlich, da ein klar de- finiertes Ende geplant ist. Freilich sind auch die anderen Projektdimensionen wie Budget oder Qualitรคt etc. begrenzt bzw. vorgeschrieben, schaut man hier jedoch auf das klassische Pendant eines Projekts โ€“ die Linie โ€“, stellt man fest, dass auch die Lini- enorganisation durchaus eine budgetรคre und qualitative Rahmenvorgabe hat. In GroรŸunternehmen sind eigene Abteilungen im Rahmen etwaiger Controlling-Offen- siven oft sogar als ein Cost- oder Profitcenter definiert.

Somit wird klar, dass die hier angesprochene Begrenzung sich in erster Linie auf den zeitlichen Aspekt eines jeden Projekts beschrรคnkt.

Bereichsรผbergreifend

Ein Projekt stellt in seiner Vollkommenheit seine Interdiszipli- naritรคt, also sein fachspezifisch รผbergreifendes Know-how unter Beweis. In einem Pro- jekt treffen viele unterschiedliche Fachexperten, oft aus verschiedenen Unternehmen, aus verschiedensten Lรคndern und Kulturen, manchmal sogar zu vรถllig unterschiedli- chen Zeitzonen aufeinander. Der einzige Nenner all dieser Mitarbeiter ist nur das Pro- jekt. Das bedeutet auch, dass Menschen, die aus so unterschiedlichen โ€žWeltenโ€œ aufei- nanderstoรŸen, ein enormes Konfliktpotenzial in sich bergen. Wenn sich jedoch dieses neue Projektteam, die verschiedensten Entwickler, die unterschiedlichsten Berater sich erst einmal eingeschwungen haben, ist die Produktivitรคt enorm.

Bei einer Linienorganisation ist die Funktion โ€žbereichsรผbergreifendโ€œ natรผrlich deutlich untergeordnet. Arbeiten doch hier die meisten Mitarbeiter dauerhaft mit. Das hat na- tรผrlich den enormen Vorteil, dass jeder seine Rollen und Verantwortlichkeiten kennt und diese nicht noch โ€“ wie in einem neuen Projekt โ€“ festgelegt werden mรผssen.

Unsicher

In der Annahme, dass ein Risiko in der betriebswirtschaftlichen Welt nicht per se als negativ, sondern vielmehr โ€žwertfreiโ€œ hinzunehmen ist, bezieht sich die Be- schreibung โ€žunsicherโ€œ in erster Linie auf die Zielerreichung, die durch viele Bedrohun- gen, also der negativen Ausprรคgung einer Unsicherheit, sowie einigen Chancen, den positiven Ausprรคgungen einer Unsicherheit, gekennzeichnet ist. Das Thema โ€žRisikoโ€œ, das sich dahinter vereint, wird in der Geschichte des strukturierten Projektmanage- ments inzwischen als โ€žDauerbrennerโ€œ erkannt. Das Gute: Fast alle Projektmanager wis- sen inzwischen, wie wichtig es ist, รผberhaupt Risikomanagement zu betreiben.

Das Schlechte: Von einem effektiv effizienten Risikomanagement ist der GroรŸteil der Projekte noch sehr weit entfernt. Natรผrlich, im Daily Business ist es oft stressig. Und natรผrlich rรผcken dort Themen, die auf den ersten Blick nicht sehr viel zur Projekt- umsetzung beitragen, oft sehr schnell in den Hintergrund. Jedoch sollte man sich als Projektmanager in diesem unsicheren Umfeld, in dem man sich im Projekt-Business naturgemรครŸ bewegt, unbedingt mit dem stiefmรผtterlich behandelten Thema Risiko- managament mehr als nur ein bisschen auseinandersetzen.

Verรคndernd

Der Grund fรผr die Durchfรผhrung eines Projekts ist, einem aktuellen Zu- stand entgegen zu wirken und/oder einen anderen Zustand herzustellen. Ein Projekt ist somit mit dem Ziel eingerichtet, eine Verรคnderung herbeizufรผhren.

PRINCE2: Der Projektsteuerungskreislauf

Ein wichtiger Grundsatz, auf dem die PRINCE2-Methodik aufbaut, ist der Projektsteu- erungskreislauf. Hierbei geht es kurz gesagt um die Planung, Delegation, รœberwa- chung und Steuerung der einzelnen Aspekte eines Projekts. Dieser Kreislauf findet in allen Dimensionen von PRINCE2 statt, welche im Schaubild innerhalb des Kreislaufes als Dreieck mit drei Kreisen abgebildet sind. Der Projektsteuerungskreislauf stellt die Ablaufbeschreibung fรผr das erfolgreiche Ma- nagement der folgenden sechs Projektdimensionen dar.

Die sechs Dimensionen innerhalb von PRINCE2 sind:

Zeit

Wie viel Zeit das Projekt benรถtigt. Wann das Projekt beginnt, wann es (plan- mรครŸig) enden soll. Wann welche Phase beginnt, wann welches Produkt erstellt wird: All das sind zeitbezogene Aspekte, die der Projektmanager unbedingt mit hoher Aufmerksamkeit managen sollte. Gerade bei groรŸen, bekannten und/oder prestigetrรคchtigen Projekten ist die Zeit neben dem monetรคren Aspekt der รถf- fentliche Aufhรคnger schlechthin. Aber auch Unternehmen kรคmpfen in ihren Organisationen hรคufig mit teilweise extrem verspรคteten Projekten. Woher kommt das? Liegt das an mangelnder Management-Kompetenz? Oder sind die hiesigen Projektmanager einfach nur nicht in der Lage, valide Zeitplรคne vorzulegen? PRINCE2 gibt hierfรผr einige Tools mit an die Hand, welche zur einer bedarfsge- rechten zeitlichen Planung, Delegation, รœberwachung und Steuerung des Projekts massiv beitragen.

PRINCE2-projektsteuerung

Kosten

Neben dem gerade angesprochenen Zeitaspekt ist die Kostendimension die mit Abstand essentiellste. SchlieรŸlich steht und fรคllt alles damit, dass es inner- halb eines Projekts einen Geldgeber gibt, der ein naturgemรครŸ hohes Interesse an der Projektdurchfรผhrung und schlieรŸlich dem Projekterfolg hat. Der Geldgeber alleine hat die โ€žMachtโ€œ, das gesamte Projekt einzustellen. Wie also sollte der Pro- jektmanager hinsichtlich dieser essentiellen Stakeholder-Attention agieren? Nach der PRINCE2-Terminologie nimmt der Projektmanager hier eine Art Vermitt- lerrolle ein, der die Interessen der Stakeholder wie zum Beispiel dem Auftrag- geber mit denen der Lieferanten zueinander bringt.

Qualitรคt

Umgangssprachlich wird โ€žQualitรคtโ€œ per se als absolut positiv gewertet. Man spricht davon, dass das โ€žAuto Qualitรคt hatโ€œ. Anders ausgedrรผckt sagt man also, dass das Auto โ€žEigenschaftenโ€œ hat. Denn genau so ist Qualitรคt zu sehen. Und zwar als Eigenschaften, die von dem Projekt umgesetzt werden sollen. Ob die Ei- genschaften, also die Qualitรคt, โ€žgutโ€œ oder โ€žschlechtโ€œ sind, vermag der Kunde bzw. der Auftraggeber beurteilen. Der Projektmanager hat nicht das Recht, dies zu be- urteilen. Aber er hat jedoch die Pflicht, dies mit gegebenen Ressourcen so gut es mรถglich ist umzusetzen. Spรคtestens hier sollte einem die โ€žmagischeโ€œ Verbindung von Zeit, Kosten und Qualitรคt bewusst werden.

Diese drei stehen in stรคndiger Abhรคngigkeit voneinander. Mรถchten wir bei unseren Olympischen Spielen die Hรคuser der Olympioniken in einer hochwertigen oder einer mittelmรครŸigen Ausstattung? Je nachdem verรคndert sich natรผrlich der monetรคre Aspekt, da bei der hochwertigen Ausstattung ausschlieรŸlich MarmorfuรŸboden verlegt werden soll, welcher deutlich teurer ist als der Teppichboden der mittleren Ausstattung. Hierbei fรคllt natรผrlich ins Auge, dass Marmor eine deutlich lรคngere Lieferzeit hat als Teppich. Das Projekt wรผrde sich also neben einer Kostenerhรถhung auch noch massiv verspรคten. Nun liegt es am Projektmanager, in Anbetracht der Anforderungen der Stakeholder den besten Weg fรผr das Projekt zu finden. Das bedeutet keinesfalls, dass er hierbei persรถnliche Anforderungen berรผcksichtigt. Vielmehr muss er die von den Stakeholdern geforderten Qualitรคtsaspekte so gut es geht berรผcksichtigen oder eben, bei Nichteinhaltung dieser, die Problematik den Stakeholdern so frรผh als mรถglich melden.

Risiko

Wie baut man innerhalb des Projektes ein geeignetes Risikomanagement- system auf? Mit der Frage beschรคftigten wir uns im Folgenden beim Thema โ€žRisikoโ€œ. Als Dimension bringt โ€žRisikoโ€œ zum Ausdruck, dass es sich um eine tรคglich zu erfรผllende Aufgabe des Projektmanagers handelt. Selbstverstรคndlich ist hierbei, dass es so hochspezifische Risiken zu beachten gilt, die weit รผber die Kompetenz eines โ€“ egal wie guten โ€“ Projektmanagers hinausgehen. Das ist auch vollkommen in Ordnung, bedenkt man doch, dass die PRINCE2-Terminologie hierfรผr eigene Teilprojektleiter, oder wie in PRINCE2 beschrieben, Teammanager gibt, die durch ihr fachliches Know-how hervorstechen. Diese und deren Teammitglieder mรผs- sen in die Pflicht genommen werden, eine Gesamt-Risikostrategie fรผr das Projekt mitzuentwickeln und vor allem Einzelrisiken auf den unterschiedlichen Ebenen zu identifizieren und unter gewissen Umstรคnden dem Projektmanager zu mel- den. Dieser wiederum ist dann in der Pflicht, die Risiken zu delegieren, zu รผberwachen und zu steuern.

Umfang

Hierbei handelt es sich um den schnell verwechselten Artgenossen von โ€žQualitรคtโ€œ. Oft wird innerhalb von Projekten die Diskussion gefรผhrt, ob Aufgabe X โ€žinscopeโ€œ oder โ€žnot inscopeโ€œ ist; also im Umfang oder nicht im Umfang des Projekts. Diese Diskussion ist absolut wichtig und gerechtfertigt. Jedoch muss sie richtig gefรผhrt werden. In der Praxis reden Leute meist von den vom Projekt zu liefernde Eigenschaften. Bei unserer Olympiade zum Beispiel von โ€žMarmor- oder Teppichbodenโ€œ. Wie aber bereits in der Dimension โ€žQualitรคtโ€œ gut erlรคutert wurde, handelt es sich hierbei um Eigenschaften, also dem Zustand des Produktes, also um Qualitรคt, nicht um โ€“ wie so oft fรคlschlicherweise verwendet โ€“ Scope/Umfang. Der Umfang beschรคftigt sich โ€“ plastisch gesagt โ€“ mit der Anzahl der Marmorplatten, die benรถtigt werden.

Nutzen

Als Nutzen wird der erwartete Mehrwert des Projekts bezeichnet. Der Nutzen kann in seiner Art und Gรผte durchaus unterschiedlich ausfallen. So gibt es den monetรคren Nutzen: Wenn ich X entwickle, erwarte ich Y an Return on Investment. Hier ist der Blick allein auf den finanziellen Aspekt des Projekts. Darรผber hinaus gibt es allerdings auch nichtmonetรคren Nutzen. So kann die Olympiade neben ihrem finanziell durchaus positiven Effekt vor allem auch Prestige fรผr Lon- don mit sich bringen. Hieraus kรถnnen sich neue Touristen erschlieรŸen, die nach der Olympiade den Urlaub in London verbringen wollen und damit neue Arbeitsplรคtze in London schaffen. Mit Verlaub, letztlich kann man beinahe alle Grรผnde so durchkonjungieren, dass man am Ende bei dem Faktor Euro bzw. Geldeinheit landet.

Kommen wir nun nochmal zum Projektsteuerungskreislauf zurรผck. Oder kurz gesagt zum Inbegriff von โ€žManagenโ€œ. Aber was bedeutet eigentlich managen? Der erste Schritt im Managen eines Projekts โ€“ oder im Projektsteuerungskreislauf โ€“ ist der Schritt โ€žPlanenโ€œ, welcher natรผrlich im ersten Anlauf einen enormen Aufwand darstellt. Bleiben wir bei unserem Olympia-Beispiel. Die ersten Planungsmeetings des Projektteams werden durchaus sehr umfangreich und sehr unstrukturiert gelaufen sein. Gleichgรผltig, welche Dimensionen geplant worden sind: Ob Risiko oder Zeit, ob Budget oder Qualitรคt, es wird am Anfang in nur sehr wenigen Fรคllen tatsรคchlich eine ganz konkrete Planung vorhanden sein.

Das ist aber auch nicht schlimm. Der Projekt- steuerungskreislauf ist, wie es der Name schon sagt, ein wiederkehrender Mechanis- mus. Ein Mechanismus, der bewirkt, dass es eine kontinuierliche Planung, Delegation, รœberwachung und Steuerung innerhalb eines Projekts gibt. Hierdurch entstehen nicht nur von Durchlauf zu Durchlauf eine feinkรถrnigere Planung, sondern auch eine hรถhere Lernrate. Die kontinuierliche Verbesserung wird hierdurch fortlaufend gepflegt. Machen wir das Ganze mal anhand eines Beispiels unserer olympischen Hรคuser klar.

Planung

Hierbei wird sich der Projektmanager mit seinem Teammanager โ€žHรคuserbauโ€œ und anderen wichtigen Personen in einem ersten Planungsmeeting Gedanken รผber die Lage der neu zu errichteten Hรคuser gemacht haben. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass man mit der hรถchsten Planungsebene beginnt. Wie hier zum Beispiel die Lage. Es ist zu erwรคhnen, dass der Projektmanager hierbei kaum fachliches Know-how besitzen muss. Er muss den Gesamtรผberblick รผber die Projektorganisation be- wahren, das Fach Know-how zur Erstellung der Produkte bringt der Teammanager mit. Der Projektmanager sollte zum Beispiel darauf achten, dass die wichtigsten Stakeholder wie zum Beispiel vorgeschriebene ร„mter mit am Planungstisch sitzen. Nach- dem das Thema โ€žLageโ€œ annรคhernd gut geplant worden ist, geht es um erste MaรŸnahmen, die operationalisiert werden sollen.

Delegieren

Dies stimmt der Teammanager mit dem Projektmanager ab und nimmt das Ergebnis zur fachlichen Umsetzung mit an sein Team. Der Projektmanager hat somit den zweiten Schritt im Projektsteuerungskreislauf vollzogen: er hat delegiert. Bei der Delegation von Aufgaben ist es wichtig, dem Teammanager genรผgend Entscheidungstoleranzen mit auf den Weg zu geben. In der Praxis kommt es oft vor, dass der Projektmanager dem Teammanager wenig bis gar keine Entscheidungskompe- tenz mitgibt. Das hat zur Folge, dass der Teammanager sich wegen jeder Kleinigkeit an den Projektmanager zu wenden hat. Das hat dann nicht mehr viel mit gutem Pro- jektmanagement, sondern vielmehr mit unnรถtigem Mikromanagement โ€“ also dem Management von kleinsten Angelegenheiten zu tun.

Hat der Teammanager die Aufgaben und Kompetenzen des Projektmanagers รผbernommen, beginnt der Projektsteuerungskreislauf auf der nรคchsten Delegationse- bene von vorne. Auf der von uns aktuell beschriebenen Ebene des Projektmanagers beginnt wรคhrenddessen der nรคchste Schritt im andauernden Projektsteuerungskreislauf: die รœberwachung.

รœberwachung

Hierbei ist โ€žรœberwachenโ€œ keinesfalls negativ zu bewerten. Vielmehr geht es darum, einen qualitรคtssichernden Mechanismus in das tรคgliche Projektbusi- ness einflieรŸen zu lassen. Innerhalb des Schrittes โ€žรœberwachungโ€œ muss im Vorhinein รผber die vorherrschenden Parameter gesprochen werden. Es sollten Berichts- und Es- kalationswege und Mechanismen eingerichtet werden, um immer die richtige Infor- mation zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Person oder Stelle geben zu kรถnnen. Wie genau diese รœberwachungstools auszusehen haben, wird ebenfalls im Thema โ€žFortschrittโ€œ genauer beschrieben. Hier sind neben den richtigen Tools auch Meetings beschrieben, welche zu einer adรคquaten รœberwachung durchgefรผhrt werden sollten.

Steuerung

Im letzten Prozessschritt geht es darum, den in der รœberwachung festge- stellten Abweichungen mit UmsetzungsmaรŸnahmen entgegenzuwirken.

PRINCE2: Die vier integrierten Bausteine

PRINCE2-bausteine

Nachdem wir uns im letzten Abschnitt den Grundlagen des Projektmanagements, an- gehaucht mit einigen PRINCE2-Merkmalen angeschaut haben, gehen wir nun in die Methodik. PRINCE2 kann man im Grunde auf vier einfache Bestandteile aufteilen: Grundprinzipien, Themen, Prozesse und Anpassung an die Projektumgebung. Jeder der vier Bausteine hat eine Daseinsberechtigung in unterschiedlicher Ausprรคgung. Im Folgenden gehen wir auf die einzelnen Bausteine ein, bevor diese dann Kapitel fรผr Kapitel nรคher aufgearbeitet und verknรผpft werden.

Die 7 Grundprinzipien

Die Grundprinzipien kann man festen Leitsรคtzen gleich- setzen. Nach der PRINCE2-Terminologie ist jedes der sieben bestehenden Grund- prinzipien zu befolgen, sollte man beabsichtigen, ein PRINCE2-Projekt zu initiie- ren und zu managen. Den 7 Grundprinzipien schenkt dAbschnitt 1.5 noch geson- derte Aufmerksamkeit.

Die 7 Themen

Die 7 Themen beschreiben den Inhalt von PRINCE2 bzw. den In- halt einer richtigen Projektstruktur. Zum Beispiel: Wie man eine richtige Projekt- organisation erstellt oder wie Reportingstrukturen auszusehen haben.

Die 7 Prozesse

Die 7 Prozesse stellen die Ablaufbeschreibung um die 7 Themen herum dar: Wann wer was im Projekt erstellt bzw. durchfรผhrt.

Anpassung an die Projektumgebung

Die Anpassung an die Projektumgebung ist in der PRINCE2-Terminologie nicht allzu umfangreich beschrieben, stellt in der Praxis jedoch das grรถรŸte Thema eines Projektmanagers in Verwendung von PRINCE2 dar. Das liegt daran, dass dieser Baustein die PRINCE2-Terminologie voll- kommen anpassbar und auf sรคmtliche Projekte adaptierbar macht.

PRINCE2: Die 7 Grundprinzipien

Wie bereits beschrieben, sind die Grundprinzipien wichtige Leitsรคtze, die in PRINCE2 vorherrschen; Leitsรคtze, die sich aus rund 30 Jahren richtig gutem Projekt- management ergeben haben. Viele davon wird man im Rahmen seiner eigenen Pro- jekterfahrung als bekannt und bewรคhrt einstufen. Andere bringen interessante, neue Ansรคtze mit sich. Wer sich im agilen Projektmanagement wie SCRUM oder Kanban bereits auskennt, dem wird auffallen, dass die Grundprinzipien ihrem Zweck, dem Agilen Manifest, sehr nahe sind. Die Inhalte sind freilich unterschiedlich, der Hinter- grund, nรคmlich das einheitliche Verstรคndnis von Gesetzen, ist hingegen absolut gleichwertig. Die 7 Grundprinzipien sind:

Fortlaufende geschรคftliche Rechtfertigung

Dieses Grundprinzip bezieht sich auf den vom Projekt zu liefernden Nutzen oder Mehrwert. Dieser muss von An- fang an gegeben sein, um ein Projekt รผberhaupt zu initiieren. Ist dies der Fall, kann mit einer Umsetzung des Projekts begonnen werden. Wichtig ist hierbei, dass dieser Nutzen durch eine iterative Vorgehensweise stรคndig รผberprรผft und gegebenenfalls angepasst wird. Der Nutzen stellt wie in Abschnitt 1.3 (Projekt- steuerungskreislauf) beschrieben eine Projektdimension dar, die der Projektma- nager dauerhaft managen muss. Die geschรคftliche Rechtfertigung muss der Pro- jektmanager der PRINCE2-Methodik nach in einem Dokument festhalten, wel- ches durch dauerhafte Anpassung sozusagen โ€žlebtโ€œ. Dieses Dokument wird als Business Case beschrieben. Hierzu wird es im Folgenden sogar noch ein eigens zu behandelndes Thema geben.

Bei der Olympiade ist der Nutzen natรผrlich sehr einfach und umfangreich zu beschrei- ben. Hier sind es die bereits genannten neuen Arbeitsplรคtze, die aufgrund von Tou- rismus in der Stadt entstehen; nicht zu verachten sind die umfangreichen Einnahmen, die die Londoner Geschรคfte zu verzeichnen haben sowie etwaige nichtmonetรคre Prestigeeffekte fรผr die Stadt.

Lernen aus Erfahrung

Dieses Grundprinzip befasst sich im Grunde mit den Erfahrungen aus Vorgรคngerprojekten. Erfahrung muss hierbei keinesfalls negativ zu bewerten sein. Durchaus kรถnnen gute Ansรคtze aus Vorgรคngerprojekten ebenfalls Anwendung finden. Im Grunde genommen ist die PRINCE2-Methodik als eine groรŸe Sammlung der besten Anwendungen aus Vorgรคngerprojekten nichts anderes als die Operationalisierung dieses Grundprinzips. Dieses Grundprinzip findet meist zu Beginn des Projekts eine intensive Anwendung, da in frรผhen Projektphasen eine enorme Unsicherheit herrscht und hier ein starkes Erfahrungsregister aus Vorgรคngerprojekten gute Unterstรผtzung leisten kann.

In der Geschichte fanden bereits 100 Olympiaden statt. Da wird es doch ein Leichtes sein, auf die Erfahrung jener zurรผckzugreifen und die Olympischen Spiele von London hocheffizient zum Erfolg zu fรผhren. โ€“ Das ist leider zu naiv gedacht; unterscheiden sich die Vorgรคngerprojekte doch stark hinsichtlich dem Geist der Zeit, Region, Kultur. Selbst wenn die Rahmenbedingungen annรคhernd gleichbleiben, ist hierdurch keine Erfolgsgarantie zu erwarten, nur weil man auf Erfahrungen aus Vorgรคngerprojekten zurรผckgreift. Die Chance, Wiederholungsfehler zu vermeiden ist jedoch allemal gegeben, weshalb die Chance auf einem Projekterfolg zumindest ausdrรผcklich steigt.

In der Praxis fรคllt auf, dass ein bewusstes โ€žLernen aus Erfahrungโ€œ, meist nur sehr halbherzig betrieben wird. Natรผrlich, unterbewusst haben Senior Projektmanager einen enormen Erfahrungsschatz, auf den sie zurรผckgreifen, auch ohne irgendwelche Lessons Learned Meetings durchzufรผhren. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass regelmรครŸige Lessons Learned Meetings einen fรผr den Projekterfolg positiven Effekt mit sich brin- gen. Hierbei ist zu beachten, dass die Betonung auf โ€žregelmรครŸigโ€œ nicht auf โ€žnur am Ende eines Projektsโ€œ, wie es doch in den meisten Projekten gehandhabt wird, liegen muss. Ein regelmรครŸiges โ€žsich zu hinterfragenโ€œ ist im agilen Projektmanagement ein gelebter Ansatz. Auch im klassischen Projektmanagement gehรถrt es, der Theorie zufolge (PRINCE2-Methodik) schon lรคngt zum Tagesgeschรคft.

Definierte Rollen und Verantwortlichkeiten

Wer kennt es nicht? Innerhalb eines Projekts kommt (gefรผhlt) aus dem Nichts eine Aufgabe auf, welche zwar bekannt war, jedoch hatte niemand dafรผr Sorge getragen, dass diese auch ordnungsgemรครŸ erfรผllt wurde. Grund hierfรผr ist, dass sich niemand dafรผr verantwortlich gefรผhlt hat. Dieser Planlosigkeit der Verantwortung wirkt die PRINCE2-Methodik stark entgegen, in dem sie klare Rollen (Projektmanager, Teammanager uvm.) vorgibt und dahinter klar deren Anforderungsprofil, deren Kompeten- zen sowie Rechte und Pflichten aufzeigt.

Bei der Olympiade hat der Projektmanager all seinen Teammanagern, also den fach- lichen Teilprojektleitern, genau die richtige Verantwortung delegiert. Bei Projekten dieser GrรถรŸe ist es nicht mรถglich, dass der Projektmanager alleine die zum Beispiel Budgetverantwortung fรผr sรคmtliche Teilprojekte trรคgt. Die Teammanager kรถnnen nicht frei Budgets verteilen. Sie haben vielmehr seitens des Projektmanagers gewisse Budget-Toleranzwerte รผbergeben bekommen, innerhalb deren sie frei und ohne stรคndige Abstimmung mit dem Projektleiter interagieren kรถnnen, sogar mรผssen.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Wichtig ist hierbei, das Grundprinzip der klaren Rollen und Verantwortlichkeiten richtig zu leben, da sonst der Teilprojektleiter und der Teammanager wegen Kleinigkei- ten die Abstimmung mit dem Projektmanager suchen, da dieser keine klaren Verantwortlichkeiten fรผr sein Projektteam vorgegeben hat.

In der harten Praxis wird das Thema โ€žRollen und Verantwortlichkeitenโ€œ so gelebt, dass zwar offizielle Verantwortlichkeiten delegiert wurden, jedoch die jeweilige Hierarchiestufe trotzdem in stรคndiger Abstimmung mit der nรคchst hรถheren Hierarchiestufe ist. Das liegt natรผrlich daran, dass es Situationen gibt, die dies durchaus hergeben, zum anderen liegt es aber auch daran, dass die jeweiligen Mitarbeiter Angst haben zu entscheiden. Hier muss dann die hรถhere Hierarchiestufe eingreifen und dem Mitarbeiter entweder diese Angst nehmen oder den Mitarbeiter austauschen, da die Fรผhrungskraft durch eine derartige Arbeitsweise schnell in ineffizientes Mikromanagement verfรคllt.

Steuern รผber Managementphasen

Dass sich ein Projekt durch einen regelmรครŸigen und wiederkehrenden Kreislauf ausmacht, ist inzwischen klar. Dass dieser Kreislauf unter anderem รผber so genannte Managementphasen zu funktionieren hat, ist an der Stelle neu. Eine Managementphase stellt, in der Logik von PRINCE2, eine abgeschlossene, eigenstรคndige Projektphase dar. Diese kann zum Beispiel โ€žInitiierungsphaseโ€œ oder โ€žTestphaseโ€œ heiรŸen. Alleine der Name hinter der Managementphase gibt Aufschluss darรผber, was in der jeweiligen Phase vonstatten- geht.

Immer am Ende einer jeweiligen Phase muss der Projektmanager an das Entscheidungskomitee, in PRINCE2 โ€žLenkungsausschussโ€œ (LA) genannt โ€“ in der Praxis aber auch oft als Steering-Komitee bezeichnet โ€“ reporten. Hierdurch wird klar, dass ein Abschluss einer Managementphase ein essentielles Ereignis inner- halb eines Projekts darstellt. Ein Ereignis, in dem der Projektmanager sich natรผrlich rechtfertigen muss, der Lenkungsausschuss wichtige Entscheidungen treffen muss und auch sonstige, fรผr eine Eskalation nicht ausreichende Ereignisse, Vorkommnisse oder einfach Anliegen besprochen werden.

Wie funktioniert das?

Beim Projekt Olympia bietet es sich natรผrlich ebenfalls an, die Errichtung der Olympiade in logische Managementphasen zu unterteilen. Hier wรผrden wir zum Beispiel eine Initiierungsphase zur Planung der Anforderungen durchfรผhren, gefolgt von einer Planungsphase zur Strukturierung des Projekts inklusive Verteilung der Rollen und Verantwortlichkeiten. Das nur als ein paar wenige Phasen von vermutlich hunderten.

In der Praxis werden Phasen oft wenig gelebt. Das liegt zum einen an dem hohen Stresslevel der Projektmanager, welche die Einteilung in logische aufeinanderfolgende Phasen oft in ihrer Projektplanung schlichtweg vergessen oder sie fehlerhaf- terweise als obsolet ansehen. Neben dem tatsรคchlichen Vorteil, dass durch eine klare Gliederung der Phasen ein vereinfachtes Fortschritts-Tracking vonstattengeht, da immer zu einem genau bestimmten Zeitpunkt reportet werden muss, ist es auch ein nicht zu verkennender psychologischer Vorteil, dass man Phasen tatsรคchlich ab- schlieรŸt. Die Projektorganisation ist in ihrem tรคglichen Business nur von Problemen und Risiken sowie von Zeit- und Budgetdruck getrieben. Da ist der Zwischeneffekt, etwas geschaffen bzw. geschafft zu haben, ein hervorragender Mechanismus, um die Motivation dauerhaft ausreichend hochzuhalten.

Steuern nach dem Ausnahmeprinzip

Ist das Grundprinzip โ€žSteuern รผber Managementphasenโ€œ als ein zeitlich getriebener รœberwachungs- und Planungsme- chanismus zu werten, bezieht sich das Grundprinzip โ€žSteuern nach dem Ausnah- meprinzipโ€œ deutlich mehr auf die Ereignissteuerung. Um dieses Grundprinzip hin- reichend gut zu leben, muss dieses Prinzip auch auรŸerhalb der Projektorganisation, also der in das Projekt aufgehรคngten Linie, bekannt, anerkannt und gelebt werden. Hierbei geht es fast um eine Art Wert, also eine innere รœberzeugung. Man kann auch von einer Fรผhrungsphilosophie sprechen. Bekannt ist dieses Prinzip neben der Terminologie auch aus der angewandten Be- triebswirtschaftslehre, in der dieses Prinzip neudeutsch als โ€žManagement by Exceptionโ€œ gelehrt wird.

Hierbei geht es im Grunde darum, als Fรผhrungskraft Ver- antwortung an die nรคchst tiefere Hierarchieebene zu delegieren. Das bringt den immensen Vorteil mit sich, dass zum einen der in unserem Beispiel typische Projektmanager durch die Einbeziehung seiner Teammanager entlastet wird und die neu eingebundenen Mitarbeiter darรผber hinaus รผber ihren Zuwachs an Verant- wortung viel besser mit in den Projekterfolg einbezogen und ggf. noch zusรคtzlich motiviert werden. Gerade bei GroรŸprojekten, bei denen es eine Vielzahl von Teammanagern gibt, muss das Prinzip gelebt werden, da ansonsten sehr schnell eine รœberlastung des Projektmanagers eintritt.

Wie funktioniert das Ausnahmeprinzip?

Damit dieses Ausnahmeprinzip funktioniert, sind einige wichtige Bestandteile zu beachten: Es sollte im Vorhinein eine klare Kommunikation der Rollen und Verantwortlichkeiten (siehe Grundprinzip Definierte Rollen und Verantwortlichkeiten) durchgefรผhrt werden. Im Weiteren mรผssen auch Toleranzen, also Bereiche, in denen der Projektmanager und der Teammanager, ohne die nรคchst hรถhere Hierarchiestufe einzubinden, in sรคmtlichen Dimensionen, also Zeit, Budget, Qualitรคt, Risiko, Umfang und Nutzen, mit- delegiert werden.

Der Olympia-Projektmanager hat in dieser Hinsicht von dem Lenkungsausschuss eine Budgetverantwortung von rund 200 Millionen Euro pro Managementphase รผbertra- gen bekommen. Diese Summe gilt es dann im Rahmen der richtigen Delegierung an die Teammanager bzw. Teilprojektleiter bedarfsgerecht zu verteilen. Hierbei gibt die PRINCE2-Terminologie nicht vor, ob es Bottom Up, also mit einem ersten Planungsvorschlag der Teammanager, oder Top Down, also mit einem ersten Planungsvor- schlag der Projektmanager, verteilt werden soll. Vielmehr geht es darum, in einem gemeinsamen, regelmรครŸig stattfindenden Planungsmeeting Planungs- und daraus entstehenden Budgetmehrbedarf zu ermitteln und im Rahmen der Budget-Toleranzen der jeweiligen Managementphase zu verteilen.

Wie funktioniert das in der Praxis?

In der Praxis wird dies meist deutlich intuitiver gehandhabt. Hier geben in aller Regel die Teammanager eine erste Indikation vor, auf deren Basis der Projektmanager dann im Rahmen seiner von dem Lenkungsausschuss vorgegebenen Toleranzen eine Budgetanpassung in seinem Sinn vornimmt. Die Tatsache, dass die Teammanager mit einem besonders groรŸen Puffer an Budget in die Verhandlung mit dem Projektmana- ger gehen, ist ein ungeschriebenes Gesetz. Ebenfalls ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Projektmanager sich รผber diese Tatsache bewusst ist und deswegen den Teammanagern รผberdurchschnittlich viel der Budgetplanung wieder kรผrzt.

Im รœbrigen spielt sich dieses Szenario auf allen Planungsebenen, also Teammanager, Projekt- manager, Lenkungsausschuss und Unternehmensmanagement ab: Die tiefere Ebene kommt mit einer deutlich hรถheren Budgetplanung als benรถtigt zur nรคchst hรถheren Hierarchieebene, welche wiederum deutlich mehr der Planung streicht, als eigentlich benรถtigt wird, womit das Ergebnis im Grund genau dem Planungsbedarf entspricht. Beide Parteien sind sich dem in den meisten Fรคllen bewusst.

Produktorientierung

In den meisten Projektmeetings hรถrt man Teilnehmer im- mer nur รผber die Projektaktivitรคten sprechen: die Aktivitรคten der letzten Woche, die dieser Woche, und welche schiefliefen. Hierbei verliert man jedoch schnell den Blick auf das groรŸe Ganze und auf das, was am Schluss das Projekt liefern soll: das Produkt. Diesen Blick wiederherzustellen ist das Ziel des Grundprinzips der โ€žProduktorientierungโ€œ. Dem Grundprinzip zufolge geht es darum, den Blick auf die vom Projekt zu liefernden Produkte zu lenken. Wobei Produkte hier nicht unbedingt physische Produkte sein mรผssen, sondern auch immaterielle Produkte oder Dienstleistungen sein kรถnnen.

Das spiegelt sich vor allen in der Planung des Projekts wider. Hierbei plant man von dem Projektendprodukt, also dem Produkt, welches das Projekt am Ende als Output generieren soll, hin zu den jeweils tiefe- ren, feineren Produktgruppen. Erst am Ende der Planungstiefe, also dann, wenn man auf der von den Teams granularsten zu liefernden Produktebene angekommen, teilt man diese (Teil)-Teilprodukte auf die dafรผr notwendige Aktivitรคten auf. Es kommt also eine Art Rรผckwรคrtsplanung zum Einsatz.

Die Olympiade wurde so, von dem groรŸen vom Projekt zu liefernden Endprodukt der stattfindenden Olympiade, in tausende Teilprodukte zerlegt: Hรคuser, Stadien, neue U-Bahn-Stationen, Hotels, rechtliche Angelegenheiten etc.

Anpassung an die Projektumgebung

PRINCE2 ist eine sehr umfangreiche Pro- jektmanagement-Methodik. Dabei ist sie fรผr GroรŸprojekte absolut geeignet, durch die Anpassung an die Projektumgebung jedoch so adaptierbar und gene- risch, dass mit der Methodik annรคhernd jedes Projekt gemanagt werden kann.

Bei einem GroรŸprojekt wie der Olympiade ist die Anpassung an die Projektumgebung sicherlich weniger gegeben, da, je grรถรŸer ein Projekt ist, ein hรถherer administrativer Aufwand sich a) in den Gesamtkosten weniger bemerkbar macht als in kleineren Pro- jekten und b) auch einfach gegeben sein muss, damit das Projekt weiterhin steuerfรค- hig bleibt.

Oft fรคllt auf, dass die Tendenz innerhalb der meisten Projekte eher in Richtung โ€žAdmin Overheadโ€œ, also in Richtung zu vieler Templates, zu viel Administration, zu vieler Mee- tings geht, als in eine schlanke und effiziente, also eine angepasste Projektumge- bung. Das liegt auch unter anderem an dem oft vorhandenen Irrglauben, dass wenig bis gar keine Administration Agile bedeutet und viel und umfangreiche Administra- tion automatisch โ€žklassisches bzw. Wasserfall-Projektmanagementโ€œ. โ€žManagt man of- fiziell ein โ€šklassiches Projekt, sollte man daher automatisch einen hohen Administra- tionsaufwand mit sich bringenโ€œ: so zumindest die falsche Annahme vieler Projekt- manager. PRINCE2 sagt hierzu allerdings klar, dass die Administration sich der Projekt- umgebung anzupassen hat. Wenn das Projektbeispiel weniger risikobehaftet ist, kann einem Projektmanager mehr Freiraum zu Verfรผgung gestellt werden als wenn ein hohes Risiko vorliegt.

PRINCE2: Die 7 Themen

Wie bereits beschrieben, sind die 7 Grundprinzipien Werte, die einen erfolgreichen Projektablauf mรถglichst positiv beeinflussen sollen. Fรผr die Werte muss es allerdings noch eine Beschreibung zur Umsetzung geben. Diese Beschreibung stellen die sieben Themen dar. Sie geben eine Antwort auf die Frage โ€žWie ist es zu tun?โ€œ Die Inhalte mรผssen wรคhrend des Projekts kontinuierlich behandelt werden. Im Folgenden sind die sieben Themen aufgefรผhrt und kurz beschrieben. Im den darauffolgenden Kapi- teln wird jedes einzelne Thema, auch im Zusammenspiel mit den Prozessen, aufgear- beitet. Die sieben Themen sind:

Business Case

Das Thema โ€žBusiness Caseโ€œ wird durch das Grundprinzip der โ€žfort- laufenden geschรคftlichen Rechtfertigungโ€œ getrieben. Es geht darum, Mechanis- men einzurichten, welche a) dazu da sind, eine geschรคftliche Rechtfertigung zu erlangen, und b) sie kontinuierlich zu pflegen. Im Kern geht es darum, ein Projekt so auszurichten, damit es รผber die gesamte Laufzeit auf Ziele zum Beispiel der Organisation abzielt, es einen Nutzen bietet. Im Laufe des Buches gehen wir noch auf ein bestimmtes Dokument, den Business Case, tiefer ein. Dieses Dokument ist sozusagen die aus dem Thema โ€žBusiness Caseโ€œ herauskristallisierte Essenz, die schriftlich festgehalten wird. Hierbei ist zu beachten, dass nicht jedes Thema ein eigenes Dokument mit sich bringt.

Organisation

Hierbei widmen wir uns der Operationalisierung des Grundprin- zips der โ€ždefinierten Rollen und Verantwortlichkeitenโ€œ. Das Thema beschreibt die benรถtigten Rollen, die Rollenverteilungen, welche sich ausschlieรŸen und welche Kompetenzen und Verantwortungsbereiche hinter den verschiedenen Rollen festgeschrieben sein mรผssen. Es beantwortet die Frage, โ€žwer?โ€œ innerhalb einer Projektorganisation fรผr die jeweilige Umsetzung verantwortlich ist.

Qualitรคt

Das Thema โ€žQualitรคtโ€œ beschreibt in seiner vollen Ausprรคgung den rich- tigen Umgang mit den Stakeholdern in Bezug auf die vom Projekt zu erfรผllenden Anforderungen. Das hier wichtigste Grundprinzip ist die โ€žProduktorientierungโ€œ. Oft kommt es vor, dass Kunden zu Beginn eines Projekts mit nur sehr subjektiven ร„uรŸerungen an das Projektteam herantreten. โ€žDas Haus der Chinesen soll deren Kultur entsprechenโ€œ kรถnnte bei der Olympiade eine typisch formulierte erste An- forderung sein. Die Aufgabe des Themas โ€žQualitรคtโ€œ ist es in dem Zusammenhang, dem Projektmanager Leitlinien an die Hand zu geben, mit der er es schafft, die zuerst nur sehr weich formulierten Kundenqualitรคtserwartungen in hart defi- nierte Projektabnahmekriterien zu รผberfรผhren. Es geht darum, die Frage nach dem โ€žWasโ€œ zu beantworten.

Plรคne

Hierbei geht es um die Frage, โ€žwieโ€œ etwas geliefert wird. WeiรŸ man bereits aus einer guten Ausarbeitung des Themas โ€žQualitรคtโ€œ, was der Kunde wรผnscht, muss man sich im nรคchsten Schritt mit einer Umsetzung der Kundenwรผnsche be- fassen. Damit befasst sich das Thema โ€žPlรคneโ€œ. Hierbei ist zu beachten, dass nicht nur die eigentliche Umsetzung geplant wird, sondern auch die Art und Weise, โ€žwieโ€œ die Planung innerhalb eines Projekts durchgefรผhrt wird. Welche Tools wer- den dafรผr genutzt? Wie sollte das Layout eines von dem Projekt zu liefernden Pro- jektplans aussehen? Wie feinkรถrnig sollte die Projektplanung aufgestellt sein? All diese Fragen werden neben der eigentlichen Planung innerhalb eines Projekts im Thema โ€žPlรคneโ€œ genauer beschrieben. Auch dieses am Thema hat als Grundprinzip die โ€žProduktorientierungโ€œ und das โ€žSteuern รผber Managementphasenโ€œ.

Risiko

Wie bereits beschrieben, wird in der Terminologie von PRINCE2 das Risiko nicht per se als negativ gewertet. Vielmehr geht es darum, Risiken als Unsicher- heiten anzusehen, die Auswirkungen sowohl in die negative als auch in die posi- tive Richtung haben kรถnnen. Wie mit Unsicherheiten eines Projekts umgegangen werden soll, welcher Prozess nach der PRINCE2-Terminologie verwendet werden soll, welche Strategien es fรผr GegenmaรŸnahmen gibt, wird alles tiefgehend im Folgenden beim Thema โ€žRisikoโ€œ beschrieben.

ร„nderungen

Dieses Thema befasst sich mit einer Steuerung der ร„nderung der Kundenanforderungen. Es geht hierbei in erster Linie darum, Struktur in das ร„n- derungssteuerungsverfahren zu bringen: Welche Arten von ร„nderungen gibt es? Welche prozessualen Unterschiede liegen hinter den verschiedenen Arten von ร„nderungen? Die Antworten liefert das Thema โ€žร„nderungenโ€œ. Darรผber hinaus befasst sich das Thema โ€žร„nderungenโ€œ mit dem Konfiguarationsmanagement in- nerhalb eines Projekts. Das Konfiguarationsmanagement beschreibt, kurz gesagt, die Art und das Management von verschiedenen Versionen von Produkten. Das klingt zunรคchst sehr kryptisch, und zugegebenermaรŸen ist das nicht fรผr alle Pro- jekte adaptierbar. Jedoch ist u.a. die Versionierung, besonders in der Software- entwicklung, ein wichtiges Must-Have. Versionierung bedeutet, dass jede neu re- leaste Version der Software sich klar von der letzten unterscheidet und auch durch eine Versionsnummer entsprechend gekennzeichnet wird.

Fortschritt

Dieses Thema beschreibt, wie die Reporting-Kultur, die Eskalationswege und der Toleranzbereich eines Projekts aussehen sollen. Es soll hierdurch sichergestellt werden, dass zu jedem Zeitpunkt eine Aussage รผber den Projekt- fortschritt getroffen werden kann und der Projektmanager oder der Lenkungs- ausschuss dadurch in die Lage versetzt wird, zu jedem Zeitpunkt eine Entschei- dung, die richtige Entscheidung treffen zu kรถnnen.

PRINCE2: Die 7 Prozesse

Die 7 Prozesse stellen die Ablaufbeschreibung zu den sieben Themen dar.

Ein Prozess im Sinne von PRINCE2 hat dieselbe Beschreibung wie im Sinne der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre: fรผr einen definierten Input wird รผber eine vorgeschriebene Abfolge von Aktivitรคten Wertschรถpfung generiert und ein definierter Out- put als Mehrwert geliefert.

Das Zusammenspiel der 7 Grundprinzipien mit den 7 Themen und 7 Prozessen kann man wie folgt zusammenfassen:

Innerhalb der Managementphasen stellen die Prozesse die vorgegebenen Aktivitรคten, von bereits vor einem Projekt bis zum Abschluss eines Projekts, dar. Innerhalb der vorgegebenen Prozesse. werden die sieben Themen โ€“ unter Berรผcksichtigung des vierten Bausteins von PRINCE2, der Anpassung an die Projektumgebung โ€“ behandelt und dadurch die sieben Grundprinzipien eingehalten.

Vorbereiten eines Projekts โ€“ Starting up a project (SU 1)

Der Prozess SU kommt bereits vor Beginn eines Projekts zur Anwendung, mit dem Ziel, herauszufinden, ob sich ein Projektbeginn lohnt. Dieser Prozess kommt einer Vorstudie ausgesprochen nahe. Eine Vorstudie kommt vor allem bei GroรŸprojek- ten zum Einsatz, wo fรผr eine solide Planung ein kurzes Vorprojekt initiiert wird, um die Planung fรผr das GroรŸprojekt an sich sicherstellen zu kรถnnen.

Lenken eines Projekts โ€“ Directing a Project (DP 2)

Der Prozess DP ist fรผr den Lenkungsausschuss entwickelt, damit dieser im Rah- men seiner Mรถglichkeiten zu jeglichem Punkt im Projekt die letztendliche Kon- trolle behalten kann.

Initiieren eines Projekts โ€“ Initiating a Project (IP 3)

Der Prozess IP ist innerhalb des Projekts der Hauptprozess der ersten Projekt- phase. Er dient zur allgemeinen Orientierung, zur Erstellung eines Plans und zur ersten Arbeitsverteilung.

Managen eines Phasenรผbergangs โ€“ Managing a stage boundary (SB 4)

Der Prozess SB ist ein sich je nach Anzahl an Managementphasen wiederkehren- der Prozess, der fรผr den รœbergang von einer Projektphase in die nรคchste verant- wortlich ist.

Steuern einer Phase โ€“ Controlling a Stage (CS 5)

CS ist der in PRINCE2 am umfangreichsten beschriebene Prozess. Das liegt daran, dass die Haupt-Managementarbeit des Projektmanagers sich in diesem Prozess abbildet.

Managen der Produktlieferung โ€“ Managing Product delivery (MP 6)

MP dient dazu, dem Projekt- und Teammanager einen Prozess an die Hand zu geben, รผber den sie ihre Arbeit und Arbeitspakete einander รผbergeben kรถnnen.

AbschlieรŸen eines Projekts โ€“ Closing a Project (CP 7)

Im Prozess CP wird dem Projektmanager ein Rahmenwerk zu einem erfolgreichen Projektabschluss mit an die Hand gegeben. Ziel ist es, alle notwendigen Doku- mente und Formalitรคten รผber diesen Prozess abzudecken.

Anpassung an die Projektumgebung

PRINCE2 ist als ein Projektmanagement Framework sehr generisch gehalten. Hieraus resultiert der Vorteil einer vielfรคltigen Einsetzbarkeit. Es ist jedoch auch wichtig zu erwรคhnen, dass dadurch ein hohes MaรŸ an Anpassungsfรคhigkeit gegeben sein muss. Diese wird vor allem in der Ausprรคgung โ€žPRINCE2 Agileโ€œ deutlich.

PRINCE2 Agile ist anders wie viele Leute vermuten keine eigene Methode. Vielmehr handelt es sich um eine Ausprรคgung, eine von den Rechteinhabern definierte Art der Anpassungen von PRINCE2, in Richtung der agilen Welt, der agilen Techniken und der agilen VorgehenweiรŸen. Es wird hierbei die Frage beantwortet, wie PRINCE2 als immer noch wichtigstes Projektmanagement Framwork, mit agilen Produktentwick- lungsmethoden wie z.B Scrum, Kanban, Lean StartUp o.ร„. kombiniert werden kann.

Was bedeutet aber nun Anpassungsfรคhigkeit oder Tailoring? Es bedeutet, dass die- Methodik in ihrer theoretischen Reinheit A) niemals zu 100% angewendet werden kann und B) durch die generische Formulierung, durch einfache โ€œAnpassungenโ€œ, auf sรคmtliche Projekte adaptierbar ist.

Dies kรถnnte zum Beispiel mit den folgenen Optionen geschehen:

Die Vereinfachung der Methodik

Zum Beispiel Techniken und Praktiken werden schlanker gestaltet. Das hat vor allem in Bereichen, wo mit Agilitรคt gearbeitet wird, einige Vorteile. Da dort oft auf Dokumente und Berichte verzichtet wird bzw. sie sehr schlank eingesetzt werden.

Die Formalisierung bzw. Informalisierung

Zum Beispiel Berichte oder Meetings werden bei dem Mittagessen abgehalten. Auch dieser Gedanke trifft aktuell den Zahn der Zeit. Das Mindset vieler Mitarbeiter geht aktuell eher in die Richtung โ€žMee- tings nervenโ€. Weshalb eine Vereinfachung einen hohen Grad an Zustimmung in- nerhalb der Unternehmen erfรคhrt.

Die Umgestaltung von Formaten

Zum Beispiel Berichte oder Tabellen werden in ihrer Darstellung verรคndert. Oft kommt das aufgrund von externen Anforderungen wie z.B. Regulatorik oder Style-Guides zum Tragen. Dies hilft, dass PRINCE2 nicht durch z.B. Unternehmensvorgaben aus dem Rennen genommen wird.

Die Zusammenfรผhrung / Splittung

Zum Beispiel werden viele einzelne Berichte in einem groรŸen Bericht zusammengefรผhrt. Hier hat PRINCE2 selbst erkannt, dass eine gewisse Komplexitรคt und Schwerfรคlligkeit vorhanden sind. Und somit eine Verschlankung vor allem fรผr kleine Projekte Sinn machen kann.

Das Renaming

Zum Beispiel wird in einer Organisation das Wort โ€žKundeโ€œ anders als in PRINCE2 definiert. So nennt man den Kunden im Projekt โ€žAbnehmerโ€œ. Alternativ werden Rollen in PRINCE2 an die bestehenden Rollen eines Unternehmens angepasst. Diese Hintertรผr benutzt PRINCE2 fรผr Unternehmen und Menschen, die mit dem Mindset โ€žEs bleibt alles so wie es istโ€ an den Tag gehen. Mit diesem Trick kann ein PRINCE2-Projektmanager den Stakeholdern des Projekts das Gefรผhl geben, dass alte Strukturen (vor allem seine gefรผhlte Macht) bestehen bleiben kรถnnen, aber dennoch neue und bessere Methoden eingefรผhrt werden.

Nicht angepasst werden hingegen die 7 Grundprinzipien. Diese bleiben im vollen MaรŸe bestehen. Wenn man sich diese Vorschlรคge zur Anpassung von PRINCE2 anschaut, wird man erkennen, dass diese vereinzelt Sinn machen, vereinzelt sehr รคhnlich sind bzw. einen sehr รคhnlichen Sinn verfolgen. Nรคmlich der Anpassbarkeit auf die Gegebenheiten. Und manche Vorschlรคge aus purem รœberlebenswillen von PRINCE2 innerhalb von alten und โ€žes-รคndert-sich-nichtsโ€-getriebenen Unternehmen vorgeschlagen werden.

PRINCE2: Wie kannst du zertifiziert werden?

Die Regularien, um die Zertifizierung von PRINCE2 zu erlangen, sind im Vergleich zu vielen anderen Zertifizierungen sehr eindeutig und klar geregelt. Seit 2017 haben die Rechteinhaber von PRINCE2, AXELOS, entschieden, die Zertifizierung ausschlieรŸlich รผber das Prรผfungsinstitut PEOPLECERT zu vergeben. PEOPLECERT ist ein weltweit fรผhrendes Zertifizierungsinstitut, das die Kompetenz besitzt, Trainingsinstituten wie der Agile Heroes GmbH die Akkreditierung fรผr PRINCE2-Trainings und -Prรผfungen zu vergeben. Diese Akkreditierung testiert die Qualitรคt unserer Trainings, Online-Kurse, Materialien und Bรผchern auf hรถchstem Niveau.

Innerhalb von PRINCE2 gibt es verschiedene Zertifizierungslevel und sogar zwei verschiedene Zertifizierungsstrรคnge. Zum einen gibt es den Weg der klassischen PRINCE2 Methode und zum anderen selbstverstรคndlich den von PRINCE2 Agile. Den Unterschied zwischen beiden Varianten haben wir dir hier und hier bereits ausfรผhrlich erklรคrt. Solltest du dazu dennoch weitere Fragen haben, dann melde dich gerne bei uns. Wir helfen dir gerne weiter. Um es kurzzufassen: PRINCE2 Agile ist eine hybride Projektmanagement Methode, die sowohl die Vorteile einer klassischen Methode wie zum Beispiel PRINCE2, mit denen einer agilen Methode wie zum Beispiel SCRUM vereint.

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PRINCE2 Zertifizierungen: Foundation

Die PRINCE2 Foundation Prรผfung ist die Grundlagenprรผfung, die zum Beispiel auch auf Basis unseres Buches geschrieben und bestanden werden kann. Die Prรผfung schlieรŸt du mit dem Zertifikat PRINCE2 Foundation ab. Fรผr die Prรผfung hast du ganze 60 Minuten Zeit. Innerhalb dieser Zeit musst du 60 Fragen beantworten. Damit die Prรผfung als โ€žbestandenโ€œ gilt, mรผssen mindestens 33 Fragen bzw. 55% richtig beantwortet werden. Die Prรผfung wird zudem als โ€žClosed Bookโ€œ-Prรผfung abgehalten, was bedeutet, dass keine Hilfsmittel erlaubt sind. Die Fragen sind im Single Choice-Format gestellt. Es ist immer nur eine Antwort richtig. Die Antwortkรคstchen mรผssen hierbei lediglich angekreuzt werden.

PRINCE2 Zertifizierungen: Practitioner

Die PRINCE2 Practitioner-Prรผfung ist die Fortgeschrittenen-Prรผfung. Wer diese Prรผfung absolvieren mรถchte, muss bereits eine PRINCE2 Foundation- Zertifizierung vorweisen oder diese direkt vor dem Fortgeschrittenentraining zum PRINCE2-Practitioner erlangen. Die Prรผfung kann ferner nur abgelegt werden, wenn man an einem PRINCE2 Practitioner-Training einer akkreditieren Trainingsorganisation teilgenommen hat. Die Prรผfung schlieรŸt mit dem Zertifikat โ€žPRINCE2 Practitionerโ€œ ab. Fรผr die Prรผfung hast du 2,5 Stunden Zeit. Innerhalb dieser Zeit musst du 80 Fragen beantworten. Damit die Prรผfung als โ€žBestandenโ€œ gilt, mรผssen mindestens 44 Fragen bzw. 55% richtig beantwortet werden. Die Prรผfung wird zudem als โ€žOpen Bookโ€œ-Prรผfung abgehalten, was bedeutet, dass das offizielle PRINCE2 Manuel Book als Hilfsmittel verwendet werden darf und auch sollte. Die Prรผfung basiert auf einem Beispielprojekt, welches mit der Prรผfung zusammen ausgeben wird. Die Fragen sind im Single Choice- und Multiple Choice-Format gestellt.

PRINCE2 Zertifizierungen: Agile Foundation

Als weiteren Zertifzierungsweg gibt es neben der klassichen PRINCE2 Foundation auch die Agile Foundation. Hierbei wird von Anfang an ein auf die Anforderungen der agilen Welt angepasstes PRINCE2 Agile, gelehrt. Die Prรผfung dauert rund 60 Minuten, innerhalb dieser Zeit musst du 50 Fragen beantworten. Davon mรผssen 55% richtig beantwortet werden.

PRINCE2 Zertifizierungen: Agile Practitioner

Der Agile Practitioner bietet sich wunderbar als Variante zur agilen Vertiefung und Anpassung von PRINCE2 an. Unserer Meinung nach ist die Kombination von PRINCE2 Foundation in der klassichen Variante und PRINCE2 Agile Practitioner optimal. Hierdurch lernt man das grundlegende PRINCE2-Verstรคndnis in Kombination mit einer Anpassung nach PRINCE2 Agile und kann somit beide Welten perfekt kombinieren. Die Prรผfung dauert 2,5 Stunden, innerhalb dieser Zeit mรผssen 50 Fragen beantwortet werden. Davon 60% richtig.

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PRINCE2 Zertifizierungen: Professional

Der PRINCE2 Professional ist die hรถchste Zertifizierung, die es innerhalb von PRINCE2 gibt. Hierbei ist zu beachten, dass es sich hierbei um keine Prรผfung, sondern um ein 2,5-tรคgiges Assessment handelt. Innerhalb der 2,5 Tage muss der Prรผfling sein geballtes PRINCE2-Wissen vor einem Moderator und zwei Assessoren unter Beweis stellten. Das Assessment schlieรŸt mit dem Zertifikat โ€žPRINCE2 Professionalโ€œ ab.

๐Ÿ’ Unser Fazit:

๐Ÿ‘† FAQ - Hรคufig gestellte Fragen

โœ๏ธ รœber den Autor

Fabian Kaiser

Geschรคftsfรผhrer der Agile Heroes

Fabian ist Grรผnder der Agile Heroes, Buchautor und Keynote Speaker. Tรคglich verknรผpft er das geballte Agile-Know-how seines Teams mit innovativen Marketingmethoden, um den Followern, Interessenten und Kunden das bestmรถgliche Agile-Heroes-Erlebnis zu liefern.

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